Dein Firmenkonto darf die Musik nicht nutzen, die es dir anbietet.
Ich wollte nur einen Link in meine TikTok-Bio. Dabei bin ich über etwas gestolpert, das nichts mit dem Kontotyp zu tun hat — und das die meisten Selbstständigen falsch einschätzen.
Wie ich darauf gestoßen bin
Ich wollte eigentlich nur einen anklickbaren Link in meine TikTok-Bio. TikTok nennt dafür zwei Wege: mindestens 1.000 Follower oder ein Business-Konto. Ich habe den zweiten genommen. Beim Umstellen stand dann ein Satz auf dem Bildschirm, der mich stutzig gemacht hat: Business-Konten sehen eine andere Musikauswahl.
Eine andere? Ich dachte, Musik ist Musik. Ist sie nicht.
Auf TikTok gibt es zwei getrennte Bibliotheken. Private Konten sehen die volle Auswahl mit allen Chart-Hits. Gewerbliche Konten sehen nur die Commercial Music Library. Bei Meta heißt das Gegenstück Meta Sound Collection und gilt nur für Instagram, Facebook und Threads — nicht für TikTok oder YouTube.
Die naheliegende Erklärung wäre: Unternehmen bekommen weniger, weil Plattformen das so wollen. Der wahre Grund liegt woanders.
Was die GEMA tatsächlich lizenziert
Die GEMA bündelt Teile der gebietsübergreifenden Online-Lizenzierung über ICE Services — kein GEMA-Tochterunternehmen, sondern ein Gemeinschaftsunternehmen von PRS for Music, STIM und GEMA. Der Hub bietet Plattformen das Repertoire der angeschlossenen Partner aus einer Hand an. Deshalb kannst du dort überhaupt Musik unter deine Videos legen, ohne selbst etwas zu bezahlen — welche Rechte dabei im Einzelnen gedeckt sind, steht allerdings in den jeweiligen Plattformvereinbarungen, nicht in einer einzigen Pauschallizenz.
Der entscheidende Satz steht auf der Website der GEMA:
„Als privater, nicht-gewerblicher Creator müssen Sie nichts unternehmen und können die in der Musikbibliothek von Instagram zur Verfügung gestellten Songs verwenden.“
Privat. Nicht-gewerblich. Diese beiden Wörter sind der ganze Punkt. Für gewerbliche Nutzung musst du die Rechte laut GEMA selbst einholen — die Plattformlizenz deckt sie nicht ab. Und zwar nicht bei der GEMA: Herstellungsrechte im Werbebereich nimmt sie ausdrücklich nicht wahr. Die Freigabe läuft über Verlag und Urheber, für die konkrete Aufnahme zusätzlich über das Label.
Nicht dein Kontotyp entscheidet, sondern dein Zweck
Hier liegt der Irrtum, dem ich selbst aufgesessen bin. Ich dachte: Solange ich ein privates Konto habe, gelten für mich die privaten Regeln.
Das ist falsch herum gedacht.
Ob eine Nutzung gewerblich ist, entscheidet nicht die Einstellung in der App. Es entscheidet, was du tust. Wer unter seinem Firmennamen postet, sein Logo zeigt, Leistungen beschreibt und auf seine Website verweist, handelt gewerblich — egal, welcher Kontotyp eingestellt ist.
Ein privates Konto mit gewerblichem Inhalt bekommt also Musik angeboten, die es nicht verwenden darf. Die Plattform prüft das nicht. Sie zeigt dir, was zu deiner Kontoeinstellung passt, nicht was zu deinem Handeln passt.
Umgekehrt gilt das Gleiche: Ein Business-Konto allein ist auch keine Freikarte. Der Händlerbund weist darauf hin, dass sich selbst in der Meta Sound Collection Titel finden können, die nicht lizenzfrei nutzbar sind.
Warum Musik unter Bild ein eigenes Recht ist
Dass die Plattformlizenz hier an ihre Grenze stößt, hat einen urheberrechtlichen und vertraglichen Hintergrund.
Musik mit Bildmaterial zu verbinden, ist eine eigene Nutzungsart — das sogenannte Synchronisationsrecht. Es kommt zum Vervielfältigungsrecht nach § 16 UrhG und zum Recht der öffentlichen Zugänglichmachung nach § 19a UrhG hinzu — das ist die Unterform der öffentlichen Wiedergabe, die für Abrufdienste wie Social Media gilt — und muss gesondert eingeräumt werden.
Und jetzt kommt der Punkt, den ich beim ersten Schreiben selbst falsch herum hatte: Für private Nutzung ist dieses Recht längst abgedeckt. Die GEMA schreibt es ausdrücklich — auf Instagram, YouTube, TikTok und Facebook sei das Synchronisationsrecht bereits enthalten, man müsse nichts weiter tun. Genau diese Deckung endet aber dort, wo die Nutzung gewerblich wird. Nicht das Verbinden von Musik und Bild ist das Problem, sondern wofür man es tut.
Wann du gar nicht betroffen bist
Jetzt der Teil, der in den meisten Artikeln zu diesem Thema fehlt, weil er sich schlechter verkauft: Vieles ist schlicht nicht betroffen.
- Beiträge ohne Musik. Ein Foto im Feed, ein Bilderkarussell, ein Text mit Grafik — kein Ton, kein Thema. Das gilt auch für Instagram-Karussells, selbst wenn sie gewerblich sind.
- Eigene Musik oder lizenzierte Stock-Musik. Wer eine Lizenz gekauft hat, die Social Media und gewerbliche Nutzung einschließt, ist raus.
- Die Commercial Music Library beziehungsweise Meta Sound Collection, mit dem oben genannten Vorbehalt. Und mit einem zweiten, der beim Crossposting weh tut: Videos mit Musik aus TikToks Commercial Music Library dürfen laut GEMA nur auf TikTok veröffentlicht werden. Wer dasselbe Video zu Instagram schiebt, steht wieder am Anfang.
Es geht also nicht um „alle Firmenprofile“, sondern um eine konkrete Konstellation: gewerblicher Inhalt plus Musik aus der allgemeinen Bibliothek. Bei TikTok ist die Tücke, dass unter Foto-Beiträgen Musik landen kann, ohne dass man sie ausgewählt hat. Genau das war bei mir der Fall. Eine allgemeingültige Dokumentation zu dieser Voreinstellung habe ich nicht gefunden — prüf es also an deinem eigenen Konto, statt es mir zu glauben.
Was ich umgestellt habe
Drei Dinge, in dieser Reihenfolge:
- Automatische Musik abgeschaltet. Bei allen geplanten Beiträgen. Das war der Schritt, der sofort wirkt, und er kostet nichts.
- Auf ein Business-Konto gewechselt. Damit zeigt mir TikTok nur noch Sounds, die ich auch verwenden darf. Nebeneffekt: das Website-Feld in der Bio.
- Die alten Beiträge bislang gelassen, wie sie sind. Das ist eine persönliche Entscheidung und keine geprüfte Entwarnung: Der Wechsel zum Business-Konto heilt nichts rückwirkend. Wer auf Nummer sicher gehen will, geht die alten Beiträge einzeln durch.
Zur Verifizierung, weil darüber erstaunlich wenig zu finden ist: TikTok will ein Nachweisdokument — Gewerbeanmeldung oder Handelsregisterauszug — und eine Firmen-ID. Als Einzelunternehmer ohne Handelsregistereintrag habe ich die Gewerbeanmeldung hochgeladen und die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer angegeben. Das wurde akzeptiert.
Angekündigt war eine Bearbeitungszeit von drei Tagen. Durch war es nach zehn Minuten.
Kurz zusammengefasst
- Die gewöhnliche Musikbibliothek ist keine Freigabe für Unternehmenswerbung. Was über die Plattform abgedeckt ist, hängt von Nutzungsart, Plattform und Titel ab.
- Gewerblich ist, was du tust — nicht, was in deinen Kontoeinstellungen steht.
- Musik mit Bild zu verbinden, ist urheberrechtlich eine eigene Nutzungsart.
- Beiträge ohne Musik sind von diesem Problem nicht betroffen. Eigene Sprache ist kein Thema.
- Bei TikTok die automatische Musik prüfen. Bei mir war sie an, ohne dass ich sie eingeschaltet hätte.
Wenn du gerade überlegst, ob dich das betrifft: Öffne einen deiner letzten Beiträge und schau, ob unten ein Sound steht, den du nicht bewusst ausgewählt hast. Das ist der Einstieg — steht da einer, geht die eigentliche Frage erst los: Woher kommt der Titel, und deckt seine Freigabe das ab, wofür du ihn einsetzt?
Quellen
- GEMA: Musik auf Instagram — das ist erlaubt
- Händlerbund: Musiknutzung auf Instagram als Unternehmen
- eRecht24: TikTok-Abmahnung erhalten?
Stand: Oktober 2026. Dieser Artikel beschreibt meine eigene Recherche und ersetzt keine Rechtsberatung.
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