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Prompt & Pixel Schönbrunn · --:--
KI & SichtbarkeitOktober 202610 Min. Lesezeit

KI-SEO gibt es nicht.Unsichtbar machen kannst du dich trotzdem.

Google und OpenAI schreiben selbst auf, was nötig ist, damit du in ihren Antworten auftauchst. Es ist weniger, als gerade verkauft wird — und an einer Stelle mehr.

Seit ein paar Monaten bekomme ich dieselbe Frage von verschiedenen Leuten: „Mein Kunde hat mich über ChatGPT gefunden — wie sorge ich dafür, dass das öfter passiert?" Und kurz danach meistens die zweite: „Mir hat jemand ein KI-SEO-Paket angeboten. Lohnt sich das?"

Die kurze Antwort auf beides steht in diesem Artikel. Die lange auch — mit dem, was Google und OpenAI selbst dazu veröffentlicht haben, statt mit dem, was Agenturen darüber erzählen.

Wie viele Leute fragen überhaupt die KI?

Die beste Zahl für Deutschland kommt nicht von einem Anbieter, sondern aus der KI-&-Search-Studie 2025 der BR-Medienforschung mit ARD SEO. Das Institut IFAK hat dafür im Oktober 2025 1.200 Internetnutzer zwischen 16 und 69 Jahren befragt, repräsentativ für diese Gruppe. Über 80 Prozent haben demnach schon KI zur Informationssuche genutzt, 69 Prozent sind KI-Zusammenfassungen in Suchmaschinen aufgefallen, und 41 Prozent nutzen diese Zusammenfassungen mindestens wöchentlich.

Das ist die saubere Zahl, sie beantwortet aber die allgemeine Frage, nicht die nach dem Handwerker um die Ecke. Näher an dieser Frage liegt der Consumer Search Behaviors Report 2026 des Software-Anbieters Yext, über den t3n berichtet hat:

  • 41 % der Befragten nutzen KI-Werkzeuge, um lokale Unternehmen zu suchen
  • 77 % suchen weiterhin über klassische Suchmaschinen
  • 27 % haben in den letzten sechs Monaten einen ihnen vorher unbekannten lokalen Betrieb kontaktiert oder aufgesucht, weil eine KI ihn empfohlen hat

Dazu gleich die ehrliche Einordnung: Yext verkauft genau die Dienstleistung, für die diese Zahlen werben. Studien von Anbietern fallen selten gegen das eigene Produkt aus. Ich halte die Größenordnung trotzdem für plausibel — aber die Botschaft ist nicht „Google ist tot". Die Botschaft ist: Es gibt jetzt einen zweiten Startpunkt, und der ist nicht mehr klein genug, um ihn zu ignorieren.

Was gerade verkauft wird — und was davon nichts bringt

Das derzeit beliebteste Produkt in dem Feld heißt llms.txt. Die Idee: eine Textdatei im Wurzelverzeichnis der Website, die KI-Modellen erklärt, worum es auf der Seite geht. Klingt sinnvoll. Wird auch fleißig verkauft.

Nur liest sie kaum jemand. John Mueller von Google hat die Datei öffentlich mit dem keywords-Meta-Tag verglichen — jenem Relikt aus den Neunzigern, das seit zwei Jahrzehnten von keiner Suchmaschine mehr ausgewertet wird. Seine Aussage im Juni 2025, wie sie dort wiedergegeben wird: Kein KI-System nutze llms.txt derzeit. Das ist eine zeitgebundene Einschätzung eines Google-Mitarbeiters, keine Messung — und sie sagt nichts über den Stand im Oktober 2026.

Die Messungen bestätigen das. Eine Ahrefs-Auswertung über 137.210 Domains (Juni 2026) kam auf 97 % der llms.txt-Dateien mit null Zugriffen. Und von allen Zugriffen, die diese Dateien überhaupt bekamen, stammten nur 1,1 % von den KI-Bots, die Seiten für eine laufende Nutzeranfrage abrufen — also genau von denen, auf die es ankäme. KI-Werkzeuge aller Art zusammen kamen auf rund ein Fünftel, größter Einzelblock waren mit 21,7 % SEO-Audit-Werkzeuge. Eine Mehrheit ist das nicht, und ein Abruf beweist ohnehin nicht, dass der Inhalt irgendwo verwendet wurde. Die Studie stammt von Ahrefs und misst deren eigene Nutzerschaft — repräsentativ fürs ganze Web ist sie nicht.

Eine llms.txt anzulegen schadet nicht. Sie kostet fünf Minuten. Aber wer dafür Geld nimmt und dabei Sichtbarkeit verspricht, verkauft eine Datei, die niemand abruft.

Was Google selbst schreibt

Google hat für das Thema eine eigene Dokumentationsseite, „AI features and your website". Der zentrale Satz darin lautet übersetzt: Es gibt keine zusätzlichen Anforderungen, um in AI Overviews oder im AI Mode zu erscheinen, und auch keine besonderen Optimierungen, die dafür nötig wären.

Und direkt danach, für alle, die gerade ein Schema-Paket angeboten bekommen haben: Es gibt auch keine spezielle strukturierte Auszeichnung nach schema.org, die man dafür ergänzen müsste.

Was Google stattdessen aufzählt, ist die bekannte Liste: Crawling in der robots.txt erlauben, sinnvoll intern verlinken, Inhalte als Text verfügbar machen, eine brauchbare Nutzererfahrung bieten. Also exakt das, was eine ordentlich gebaute Website ohnehin tut.

Was OpenAI selbst schreibt

Bei OpenAI steht es im Hilfeartikel zu ChatGPT Search, und dort wird es konkreter. Zwei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit eine Website in den Suchergebnissen von ChatGPT erscheinen kann:

  1. Die Website erlaubt dem OAI-SearchBot, sie zu crawlen.
  2. Hoster oder CDN lassen Zugriffe von den veröffentlichten IP-Adressen dieses Bots durch.

OpenAI schreibt dazu ausdrücklich, dass eine Platzierung damit nicht garantiert ist. Gerankt wird nach mehreren Faktoren, die nicht offengelegt sind.

Das ist der ehrliche Kern des Themas: Niemand kann dir einen Platz in einer KI-Antwort verkaufen. Aber beide Bedingungen oben kannst du selbst prüfen — und die zweite kennen die meisten gar nicht.

Und was ist mit GEO?

Nach dem TikTok zu diesem Artikel kam der Einwand, den ich erwartet hatte: KI-SEO gebe es sehr wohl, nur eben nicht für Google, sondern plattformübergreifend. Die Branche nennt es GEO, Generative Engine Optimization, manchmal auch AEO. Den Begriff gibt es, Agenturen verkaufen ihn, und ich habe nachgefragt, was man dabei konkret anders macht als bei normalem SEO. Die Antwort eines SEO-Kollegen, wörtlich: Prompt-Recherche und Monitoring, Inhalte mit KI dafür aufbereiten, strukturierte Daten, Kriterien der LLMs berücksichtigen.

Nehmen wir das auseinander:

  • Prompt-Recherche ist Keyword-Recherche mit neuem Namen. Welche Fragen stellen Leute, und wie formulieren sie die? Das macht SEO seit zwanzig Jahren.
  • Monitoring ist tatsächlich neu: prüfen, ob dein Betrieb in ChatGPT- oder Perplexity-Antworten auftaucht. Dafür gibt es inzwischen Werkzeuge. Nur ist das Messen, nicht Optimieren.
  • Strukturierte Daten gibt es im SEO schon, das hat der Kollege selbst dazugesagt. Google schreibt ausdrücklich, dass dafür keine besondere Auszeichnung nötig ist.
  • Kriterien der LLMs ist der einzige Punkt, hinter dem etwas Eigenes stecken könnte. Welche Kriterien das sind, blieb offen.

Was es dazu an Belegen gibt, ist überschaubar. Die meistzitierte Arbeit ist eine Studie von Princeton University und IIT Delhi aus dem Jahr 2023, veröffentlicht auf der KDD 2024. Die Forscher haben neun Methoden an einem Benchmark aus 10.000 Suchanfragen entwickelt und am Testteil davon bewertet. Ergebnis: Zitate einbauen, konkrete Zahlen nennen und Quellen angeben erhöhen die Sichtbarkeit in generierten Antworten um bis zu 40 Prozent, in einem Test an Perplexity um bis zu 37 Prozent. Keyword-Stuffing, also das Vollstopfen mit Suchbegriffen, hat die Sichtbarkeit gesenkt.

Zwei Einschränkungen gehören dazu, sonst klingt die Zahl größer, als sie ist. „Sichtbarkeit“ heißt hier nicht mehr Besucher oder mehr Kunden, sondern: Wie viel Text der Antwort geht auf diese Quelle zurück, und wie weit vorn steht sie? Und die getestete Seite lag im Versuchsaufbau bereits unter den fünf Google-Treffern, aus denen die Antwort gebaut wurde. Die Studie beantwortet also, wie eine gefundene Quelle stärker genutzt wird. Nicht, wie eine beliebige Firmenwebsite überhaupt in diesen Pool kommt.

Das ist der Stand. Und er sagt: Was eine KI bevorzugt, ist ein Text, der eine Frage klar beantwortet, Zahlen nennt und seine Quellen zeigt. Also genau das, was ein guter Fachtext ohnehin tut. Wer dir GEO als eigenes Fach verkauft, sollte dir sagen können, was er über diese vier Punkte hinaus anders macht. Wenn die Antwort darauf dünn bleibt, zahlst du für einen Begriff.

Hier kegeln sich Betriebe selbst raus

Die interessanteste Erkenntnis bei der Recherche war nicht, was man tun kann. Sondern wie leicht man sich aus Versehen ausschließt.

Die drei OpenAI-Bots werden ständig verwechselt

OpenAI betreibt nicht einen Crawler, sondern drei, und sie machen verschiedene Dinge:

  • GPTBot sammelt Inhalte für das Training der Modelle.
  • OAI-SearchBot ist der, der Seiten in der ChatGPT-Suche anzeigt und verlinkt. Er sammelt keine Trainingsdaten.
  • ChatGPT-User ruft eine Seite ab, wenn ein Nutzer sie im Gespräch konkret öffnen lässt.

Viele Websites haben in den letzten zwei Jahren pauschal alles gesperrt, was nach OpenAI aussah — oft mit dem nachvollziehbaren Gedanken „meine Texte sollen kein KI-Training füttern". Wer dabei nur den GPTBot ausgesperrt hat, ist weiterhin in der ChatGPT-Suche auffindbar. Wer den OAI-SearchBot mitgesperrt hat, wird laut OpenAIs Dokumentation nicht mehr als Quelle in ChatGPT-Suchantworten herangezogen. Als Navigationslink kann die Seite weiterhin auftauchen — und was Dritte über dein Unternehmen schreiben, sperrt deine robots.txt ohnehin nicht.

Das ist eine Zeile in einer Textdatei. Und sie entscheidet über die Sichtbarkeit in dem Kanal, über den gerade alle reden.

Google-Extended tut nicht das, was viele glauben

Dasselbe Missverständnis bei Google, nur andersherum. Das Token Google-Extended in der robots.txt steuert, ob Inhalte für das Training von Gemini verwendet werden dürfen und ob sie zur Anfragezeit als Beleg in Gemini-Apps und in in „Grounding with Google Search" auf Vertex AIbdquo;Grounding with Google Search“ auf Vertex AI herangezogen werden. Google stellt dazu klar: „Google-Extended does not impact a site's inclusion in Google Search nor is it used as a ranking signal in Google Search."

Es steuert also nicht die AI Overviews. Die werden aus dem normalen Suchindex gespeist. Wer dort nicht auftauchen will, kann sich nur über nosnippet, data-nosnippet, max-snippet oder noindex einschränken — und das wirkt dann auf die gesamte Google-Suche, nicht nur auf den KI-Teil.

Übersetzt: Einen folgenlosen Schalter nur für AI Overviews dokumentiert Google nicht. Über nosnippet und Verwandte lässt sich einschränken, was verwendet werden darf — das wirkt aber auch auf die normalen Suchergebnisse. Ein noindex ist es trotzdem nicht: Die Seite bleibt im Index, nur ihre Vorschau schrumpft. Wer das als Dienstleistung angeboten bekommt, sollte nachfragen.

Woher die KI ihre Antworten überhaupt nimmt

Die Agentur blinq hat zwischen Januar und Juni 2026 rund 250.000 Antworten von ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity ausgewertet, erzeugt aus etwa 2.000 Prompts quer durch B2B und B2C (LLM-Quellen-Studie 2026). Das wichtigste Ergebnis:

  • 66,2 % der zitierten Quellen waren unternehmenseigene Inhalte — also Firmenwebsites und Firmenblogs
  • Bei den einzelnen Domains führen YouTube (15,2 %), Reddit (14,6 %), Wikipedia (9,1 %) und LinkedIn (7,1 %). Diese Werte zählen einzelne Domains, die 66,2 % dagegen eine Inhaltskategorie über viele Domains hinweg — addieren lassen sich die beiden Ebenen deshalb nicht. Ihre Bezugsgrößen legt die Studie nicht offen
  • Dahinter folgen Nachrichtenseiten wie Welt, Handelsblatt und Chip

Auch hier der Vorbehalt: eine Agentur, die ihr Geschäftsfeld vermisst. Aber die Richtung deckt sich mit dem, was Google und OpenAI beschreiben, und sie ist bemerkenswert unspektakulär: Unternehmensinhalte stellen den größten Block der zitierten Quellen.

Vorsicht mit dem Kurzschluss, den ich hier zuerst gezogen hatte: Die Studie zählt die Kategorie „Corporate Content" insgesamt — das können auch Artikel und Vergleiche anderer Unternehmen sein, nicht zwingend die Seite des gerade empfohlenen Betriebs. Drittquellen, Presse und Bewertungen bleiben relevant. Was trotzdem bleibt: kein Verzeichnis, keine Spezialdatei, sondern ganz gewöhnliche Webinhalte.

Was daraus praktisch folgt

Nach allem, was belegbar ist, sieht die Liste so aus — und sie ist kürzer, als dir lieb sein dürfte, wenn du gerade ein Angebot über 1.200 € auf dem Tisch hast:

1. Prüf deine robots.txt

Ruf deinedomain.de/robots.txt im Browser auf. Such nach OAI-SearchBot und schau, was darunter steht. Disallow: / sperrt die ganze Seite, dann fällt sie als Quelle für ChatGPT-Suchantworten weg. Disallow: /intern/ sperrt nur diesen Ordner und ist kein Problem. Entscheidend ist, ob die Seiten gesperrt sind, die ein Kunde finden soll. Das ist der eine Punkt, bei dem sich echt etwas ändert, wenn er falsch steht.

2. Prüf, ob dein Hoster oder CDN die Bots blockt

Manche Schutzmechanismen gegen Bot-Traffic sperren KI-Crawler pauschal mit. Das steht nicht in der robots.txt, sondern in der Firewall-Konfiguration — und fällt deshalb niemandem auf.

3. Schreib die Antworten auf, die deine Kunden suchen

Die eigene Website ist die eine Quelle, die du selbst in der Hand hast. Ob sie bei einer konkreten Empfehlung herangezogen wird, hängt von Anfrage, Plattform und den übrigen Quellen ab. Wenn sie es wird, entscheidet das, was draufsteht. Ein Betrieb, dessen Seite nur „Qualität seit 1998" und ein Kontaktformular enthält, gibt einer KI nichts, woraus sie eine Empfehlung bauen könnte. Einer, der Leistungen, Einzugsgebiet, Besonderheiten und typische Fragen in verständlichen Sätzen beschreibt, schon.

4. Halt deine Angaben überall gleich

Name, Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten — auf der Website, im Google-Unternehmensprofil, in Branchenverzeichnissen. Widersprüchliche Daten sind der Klassiker, an dem sowohl Suchmaschinen als auch Sprachmodelle hängenbleiben.

5. Pfleg dein Google-Unternehmensprofil

Für lokale Anfragen bleibt es die zentrale Datenquelle bei Google, unabhängig davon, in welcher Form die Antwort ausgespielt wird. Und es ist kostenlos.

Was ich selbst mache

Auf prompt-und-pixel.de darf der OAI-SearchBot alles lesen. Der GPTBot auch. Ich halte wenig davon, Inhalte zu veröffentlichen und gleichzeitig zu verbieten, dass jemand sie liest — und das gilt für Maschinen genauso wie für Menschen.

Bei Kundenseiten frage ich das ab, statt es zu entscheiden. Es gibt gute Gründe, Trainings-Crawler auszusperren, etwa bei eigenen Fachtexten, die das Geschäftsmodell tragen. Dann sperren wir GPTBot und lassen OAI-SearchBot offen. Das ist der Unterschied zwischen „nicht als Trainingsmaterial" und „nicht auffindbar", und den sollte man bewusst treffen.

Fazit

Eine Platzierung in einer konkreten KI-Antwort kann niemand garantieren. Google schreibt, dass es dafür keine zusätzlichen Anforderungen und keine besondere KI-Auszeichnung braucht — die bekannten SEO-Grundlagen bleiben relevant. „Nicht nötig" heißt eben nicht „wirkungslos". OpenAI schreibt, dass eine Platzierung nicht garantiert ist. Beides steht öffentlich auf ihren eigenen Seiten.

Was es gibt, sind drei Dinge: eine Website, die gelesen werden darf, Inhalte, die eine Frage beantworten, und Angaben, die überall übereinstimmen. Das ist dieselbe Liste wie vor fünf Jahren, nur mit einer neuen Zeile in der robots.txt.

Wenn dir jemand mehr verkauft, lass dir zeigen, worauf er sich beruft. Die beiden Quellen, die zählen, sind in diesem Artikel verlinkt.

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Reden wir über dein Projekt.

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