Profil statt Website?Google hat die Frage selbst beantwortet.
Bis 2024 konnte man sich aus dem Unternehmensprofil eine Website bauen lassen. Dass es die nicht mehr gibt, ist die ehrlichste Antwort auf die Frage.
Die Frage kommt regelmäßig, und meistens in dieser Form: „Brauche ich die Website überhaupt noch, wenn ich bei Google eingetragen bin?" Dahinter steckt eine nachvollziehbare Rechnung — das Profil ist kostenlos, es erscheint direkt in der Suche, und es zeigt Telefonnummer, Öffnungszeiten und Bewertungen auf einen Blick.
Google hat diese Frage selbst beantwortet, allerdings durch eine Handlung statt durch eine Aussage.
Google hatte den Website-Ersatz und hat ihn abgeschaltet
Bis 2024 konnte man sich aus dem Unternehmensprofil heraus eine kleine Website bauen lassen. Die lief unter einer business.site-Adresse, war kostenlos und zog ihre Inhalte direkt aus dem Profil. Genau das Produkt also, das die Frage „Profil statt Website" beantwortet hätte.
Google hat es eingestellt. Im März 2024 verschwanden die business.site-Adressen aus dem Website-Feld der Profile, bis zum 10. Juni 2024 gab es noch eine Weiterleitung, danach landeten Besucher auf einer Fehlerseite. Die zugehörige Hilfeseite existiert heute nicht mehr als eigener Artikel; sie leitet auf die allgemeine Profilbearbeitung um (Search Engine Land, Januar 2024, mit wörtlichem Google-Zitat).
Wer damals nur diese Seite hatte, brauchte einen Ersatz — angekündigt war es im Januar, weitergeleitet wurde bis Juni. Abgeschaltet wurde der Baukasten, nicht das Unternehmensprofil. Was es zeigt, ist das Plattformrisiko: Ein kostenloses Produkt kann verschwinden, und dann steht man vor der Frage, die man vorher nicht stellen wollte.
Was Google selbst über lokale Rankings schreibt
In der offiziellen Hilfe zum lokalen Ranking nennt Google drei Faktoren:
- Relevanz — „inwieweit ein Unternehmensprofil mit dem Gesuchten übereinstimmt"
- Entfernung — „wie weit ein Unternehmen vom suchenden Kunden entfernt ist"
- Bekanntheit — „der Bekanntheitsgrad eines Unternehmens"
Dazu zwei Sätze, die man sich merken sollte. Erstens zu Bewertungen: „Je mehr Rezensionen und positive Bewertungen Ihr Unternehmen erhält, desto besser kann das Ranking in lokalen Suchergebnissen ausfallen." Zweitens, und das ist der Satz gegen jedes dubiose Angebot: „Ein besseres lokales Ranking bei Google kann nicht eingefordert werden, auch nicht gegen Bezahlung."
Woher Google die Profildaten nimmt
Hier wird es interessant. Google beschreibt in der Hilfe, aus welchen Quellen sich lokale Ergebnisse speisen. Es sind vier:
- öffentlich verfügbare, gecrawlte Webinhalte — ausdrücklich „z. B. Informationen von der offiziellen Website eines Unternehmens"
- lizenzierte Daten von Drittanbietern
- Nutzerbeiträge und die Angaben des Inhabers im Profil
- Googles eigene Interaktionsdaten
Die Website ist also keine Konkurrenz zum Profil. Sie ist eine seiner Datenquellen. Und unter „Bekanntheit" nennt Google ausdrücklich, wie viele Websites auf dein Unternehmen verlinken und wie viele Rezensionen es gibt — also das, was im Web über einen Betrieb steht.
Daraus folgt die Antwort auf die Ausgangsfrage: Das Profil ersetzt die Website nicht, weil es sich zum Teil aus ihr bedient. Ohne eigene Seite fehlt dem Profil eine der Quellen, aus denen Google es füttert — und der Ort, an dem du Inhalte und Funktionen am freiesten gestalten kannst. Was andere über dich schreiben, steuerst du damit natürlich nicht.
Wo das Profil der Website überlegen ist
Das soll das Profil nicht kleinreden. Es ist direkt in Googles lokalen Suchoberflächen präsent, und das kann eine Website nicht ersetzen:
- Es erscheint in der Kartenansicht, wenn jemand in deiner Nähe sucht.
- Es zeigt Bewertungen direkt in der Suche.
- Es liefert dir Zahlen, die du sonst nicht hättest: Aufrufe, Anrufklicks, Wegbeschreibungs-Anfragen, Klicks auf den Websitelink, Suchbegriffe (Übersicht der Profilstatistik).
- Es kostet nichts.
Zur Größenordnung: Googles Suchmaschinen-Marktanteil in Deutschland lag im September 2026 bei 87,8 % (StatCounter — gemessen über ein Trackingnetzwerk, keine Befragung). Wer in Deutschland lokal gefunden werden will, kommt an Google nicht vorbei.
Die Regeln, an denen Profile scheitern
Ich werde oft gefragt, warum ein Profil nicht durchgeht. Die Richtlinien für die Präsentation sind eindeutiger, als viele denken.
Der Name
„Geben Sie den Namen Ihres Unternehmens genau an." Gemeint ist der Name, unter dem du tatsächlich auftrittst — auf dem Schild, dem Briefkopf, der Website. Nicht ins Namensfeld gehören Slogans, Öffnungszeiten, Telefonnummern, URLs und vor allem nicht nachträglich angehängte Dienstleistungen oder Standorte.
Das heißt im Klartext: „Müller Dachdecker Bamberg" ist nur dann zulässig, wenn der Betrieb wirklich so heißt. Wer den Ort oder das Gewerk anhängt, um besser gefunden zu werden, verstößt gegen die Richtlinie — und riskiert, dass die Änderung abgelehnt oder das Profil eingeschränkt wird.
Die Adresse
„Postfächer oder Briefkästen an unternehmensfremden Standorten sind nicht zulässig." Und: „Bei Unternehmen, die ihre Adresse bei Google präsentieren, muss an dieser Adresse eine ganzjährige feste Beschilderung mit dem Namen des Unternehmens vorhanden sein."
Wer vom Wohnhaus aus arbeitet und keine Kunden empfängt, muss die Adresse laut Googles Vorgabe zum Einzugsgebiet sogar entfernen und stattdessen ein Einzugsgebiet angeben. Google nennt dort als Beispiele ausdrücklich Reinigungsfirmen und Klempner. Grenzen: maximal 20 Einzugsgebiete, und die äußere Grenze soll nicht weiter als etwa zwei Autostunden entfernt liegen.
Die Kategorien
„Wählen Sie zur Beschreibung Ihres Kerngeschäfts so wenige Kategorien wie möglich aus." Kategorien beschreiben, was der Betrieb ist — nicht alles, was er nebenbei auch macht.
Verifizierung: woran es konkret hakt
Welche Bestätigungsmethode angeboten wird, entscheidet Google, nicht du. Möglich sind Telefon, SMS, E-Mail, Postkarte, Live-Videoanruf und Videoaufzeichnung. Die Videoaufzeichnung ist inzwischen der Regelfall, und sie wird regelmäßig abgelehnt.
Google verlangt im Video drei Nachweise, und nennt die typischen Ablehnungsgründe selbst:
- Standort — Straßenschilder, Hausnummern, Nachbargebäude. Ablehnungsgrund: „Die Umgebung ist nicht zu sehen."
- Existenz des Betriebs — „Der Name Ihres Unternehmens muss deutlich auf einem fest installierten Element zu sehen sein." Ablehnungsgrund: „Der Name des Unternehmens ist auf der Außenansicht nicht zu sehen."
- Berechtigung — „Filmen Sie Dinge, zu denen nur Mitarbeitende Zugang haben." Ablehnungsgrund: „Es fehlt ein Nachweis, dass Sie berechtigt sind, das Unternehmen zu betreiben."
Für Betriebe ohne festen Standort nennt Google ausdrücklich Alternativen: die professionellen Werkzeuge und Geräte zeigen, sich selbst bei der Arbeit filmen, oder Geschäftsdokumente wie die Gewerbeerlaubnis.
Die Prüfung dauert bis zu fünf Arbeitstage. Wird abgelehnt, bekommst du eine Rückmeldung mit dem Grund — die lohnt sich zu lesen, statt gleich das nächste Video zu drehen.
Wenn gar nichts geht: der Einspruch
Für gesperrte Profile und abgelehnte Änderungen gibt es ein Einspruchsverfahren. Drei Dinge daran sind wichtig:
- Für die Nachweise hast du 60 Minuten. Google selbst empfiehlt ausdrücklich, die Unterlagen vor dem Einspruch zusammenzusuchen: Gewerbeanmeldung, Steuerbescheinigung, eine Versorgerrechnung auf die Betriebsadresse.
- Die Entscheidung dauert bis zu fünf Arbeitstage.
- Google schreibt ausdrücklich, man solle nicht mehrere Einsprüche für dasselbe Problem einlegen, bevor eine Entscheidung mitgeteilt wurde. Also einmal sauber einreichen und abwarten.
Eine Einschränkung, die in Deutschland gilt
Google hat die Profilverwaltung per Gemini-Web-App (gemini.google.com) ausgerollt — Öffnungszeiten ändern, auf Rezensionen antworten, Beiträge schreiben. Diese Funktion ist laut Googles eigener Hilfeseite im Europäischen Wirtschaftsraum und in Großbritannien nicht verfügbar.
Dasselbe gilt für die automatisierten Google-Anrufe bei Betrieben zur Abfrage von Preisen und Verfügbarkeit: Die Funktion ist auf ausgewählte Regionen beschränkt, Deutschland wird in der Hilfeseite nicht genannt. Wer dir solche Funktionen als Dienstleistung verkaufen will, verkauft etwas, das hier nicht läuft.
Was ich empfehle
Beides pflegen, mit klarer Arbeitsteilung.
Das Profil beantwortet die Fragen, die jemand hat, bevor er dich kennt: Wo bist du, wann hast du offen, was sagen andere, wie erreiche ich dich. Es gehört vollständig ausgefüllt, mit echten Fotos und mit beantworteten Bewertungen.
Die Website beantwortet die Fragen danach: Was genau machst du, wie arbeitest du, warum du und nicht der Nächste. Sie ist der einzige Ort im Netz, an dem die Darstellung dir gehört und niemand die Regeln über Nacht ändert — was business.site 2024 ziemlich anschaulich vorgeführt hat.
Wer nur eines von beiden haben kann, nimmt das Profil — vorausgesetzt, der Betrieb ist überhaupt dafür berechtigt. Google verlangt einen Standort, den Kunden besuchen können, oder Dienstleistungen beim Kunden vor Ort. Rein online tätige Unternehmen bekommen kein Profil und haben die Wahl damit gar nicht. Wer gefunden und gebucht werden will, braucht ohnehin beides.
Reden wir über dein Projekt.
Dein Profil geht bei der Bestätigung nicht durch? Schreib mir, woran es scheitert — die Ablehnungsgründe sind meistens dieselben drei, und die lassen sich beheben.
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