Prompt & Pixel
Prompt & Pixel Schönbrunn · --:--
Custom CodeMärz 202610 Min. Lesezeit

Custom Code vs. Baukasten 2026:Der ehrliche Vergleich

Aktualisiert am 4. Oktober 2026 — Marktanteile, Core-Web-Vitals-Werte und Sicherheitszahlen an den verlinkten Originalquellen gegengeprüft.

WordPress betreibt vier von zehn Websites — verliert aber seit 2022 Anteile, und zwar an die Baukästen. Das macht den Vergleich zwischen Baukasten und Custom Code zu einer Frage, die sich neu stellt.

Hier ein ehrlicher Blick mit aktuellen Zahlen — ohne Drohton, ohne erfundene Fallstudien.

Die Lage 2026: WordPress ist nicht zu schlagen

Laut W3Techs (Stand Oktober 2026) laufen 40,2 % aller Websites weltweit auf WordPress. Im Markt der CMS-Systeme sind es 58,6 %. Anders gesagt: Wenn eine Site überhaupt ein Content-Management-System nutzt, dann ist es in knapp sechs von zehn Fällen WordPress.

Beide Zahlen haben unterschiedliche Bezugsgrößen, und man sollte sie nicht vermischen — 58,6 % klingt nach mehr, meint aber nur die Seiten, bei denen überhaupt ein CMS erkennbar ist. Nach Jahren oberhalb von 40 % liegt der Gesamtanteil heute bei 40,2 %. WordPress ist unangefochten die Nummer eins — aber der Anteil schrumpft. Unter den Seiten mit erkennbarem CMS lag WordPress im Januar 2022 bei 65,2 %, heute bei 58,6 %. Gewachsen sind in derselben Zeit die Baukasten- und Shop-Systeme: Wix von 2,9 auf 6,2 %, Shopify von 6,6 auf 7,8 %, Squarespace von 2,7 auf 3,6 % (W3Techs, Marktanteils-Zeitreihe, Stand 4. Oktober 2026). Das ist eine Verschiebung der Anteile und keine Aussage über absolute Installationszahlen.

Im Mai 2026 wurde WordPress 7.0 „Armstrong“ veröffentlicht — ein großes Update mit verbessertem Full Site Editing. Neu war dabei nicht die PHP-8.3-Unterstützung — die reicht laut Core-Handbuch bis WordPress 6.4 zurück — sondern die Anhebung der mindestens unterstützten PHP-Version auf 7.4. WordPress gehört zu den am aktivsten gepflegten Open-Source-Projekten der Welt. Das ist eine gute Nachricht für alle, die WordPress nutzen.

Was Google wirklich verlangt

Hier wird viel Halbwissen weitergetragen, deshalb einmal die Werte aus Googles eigener Dokumentation. Sie sind seit Jahren unverändert:

  • LCP (Largest Contentful Paint): 2,5 s oder schneller
  • INP (Interaction to Next Paint): 200 ms oder schneller — hat im März 2024 FID ersetzt
  • CLS (Cumulative Layout Shift): 0,1 oder weniger

Wer eine Site hatte, die vor dem März-Update gerade so durchkam, ist seither in der gelben oder roten Zone — ohne, dass sich an der Site selbst etwas geändert hätte.

Wie schneidet WordPress wirklich ab?

Die ehrlichen Zahlen kommen aus dem HTTP Archive und CrUX (Chrome User Experience Report), beides öffentliche Datensätze — CrUX kommt von Google, der HTTP Archive ist ein Community-Projekt. Gemessen werden Origins, also ganze Auftritte statt einzelner Seiten, und die Schwelle ist das 75. Perzentil der echten Nutzerzugriffe:

  • WordPress-Sites bestehen alle drei Core Web Vitals auf Mobilgeräten zu 49,5 % — rund die Hälfte fällt also durch (Quelle: Core Web Vitals Technology Report der HTTP-Archive-Community; Stand Juli 2026, Mobilgeräte, alle Länder und Rangstufen). Ein Jahr zuvor waren es 44,3 % — gut fünf Prozentpunkte Verbesserung in zwölf Monaten
  • Im Vergleich aus derselben Auswertung: Joomla 57,2 %, Drupal 64,5 %, Squarespace 71,7 %, Wix 80,4 %, Duda sogar 85,7 %. Unter den großen Systemen liegt WordPress damit hinten — einzelne Plattformen wie Blogger oder Magento schneiden allerdings noch schlechter ab
  • Diese Werte sagen, wie Sites mit dem jeweiligen System abschneiden — nicht, dass das System die Ursache ist. Der HTTP Archive warnt in seiner Methodik ausdrücklich davor, daraus auf Kausalität zu schließen, und das aus gutem Grund: Was mit einem Baukasten entsteht, ist im Schnitt schlichter gebaut als eine gewachsene WordPress-Site mit Shop, Buchung und zehn Jahren Inhalt

Wichtig zur Einordnung: Dieser Wert gilt für WordPress-Sites insgesamt. Wer auf einem ordentlichen Hoster sitzt, ein leichtes Theme nutzt und Performance-Plugins richtig konfiguriert hat, kommt deutlich höher. Umgekehrt zieht alles nach unten, was zusätzliche Stylesheets und Skripte in jede Seite lädt — ein schwerer Page-Builder, ein überladenes Theme. Wie viele Erweiterungen installiert sind, sagt dabei weniger aus als die Frage, was davon auf der konkreten Seite tatsächlich übertragen wird.

Warum Custom Code hier andere Zahlen produziert

Bei handgeschriebenen Sites entfällt eine ganze Schicht von Overhead:

  1. Kein PHP-Rendering pro Aufruf. Statisches HTML wird direkt vom Webserver ausgeliefert, ohne Datenbank-Query, ohne Theme-Pipeline. Das gilt für rein statische Seiten — eine selbst gebaute Anwendung mit Datenbank und Login rendert natürlich auch.
  2. Kein Plugin-Bloat. Jedes Plugin bringt eigene CSS- und JS-Dateien mit — bei 15 Plugins sind das 15× mehr HTTP-Requests im schlimmsten Fall.
  3. Bildoptimierung ist von Anfang an drin. WebP, responsive Sizes, Lazy Loading — ohne extra Plugin.
  4. Niedrigere TTFB. In meinen Projekten liegt die Server-Antwortzeit bei statischen Seiten im zwei- bis dreistelligen Millisekundenbereich, bei CMS-Rendering deutlich höher. Vergleichbare Messwerte brauchen gleiches Hosting und gleiche Inhalte — die Zahlen hängen stark davon ab.

Das heißt nicht, dass Custom Code automatisch besser ist — eine schlecht gebaute Custom Site ist genauso schnell langsam wie ein vollgestopftes WordPress. Aber der Ausgangspunkt ist ein anderer.

Was kostet das wirklich? Ein 5-Jahres-Vergleich

Ich rechne hier mit Richtwerten für eine typische KMU-Site mit fünf bis acht Seiten. Die Zahlen sind keine Festpreise und keine Marktstudie, sondern meine eigenen Kalkulationsannahmen.

WordPress (mit Premium-Theme & Plugins)

  • Setup (Theme, Initial-Konfiguration): 200–800 €
  • Managed Hosting: 15–35 €/Monat × 60 Monate = 900–2.100 €
  • Premium-Plugins (SEO, Performance, Forms, Security): 200–400 €/Jahr × 5 = 1.000–2.000 €
  • Wartung & Updates (extern oder selbst): 300–800 €/Jahr × 5 = 1.500–4.000 €

Gesamt nach 5 Jahren: 3.600–8.900 €

Custom Code (typisches Onepager- bis Multi-Page-Setup)

  • Entwicklung (einmalig): 1.500–4.500 €
  • Hosting (klassisches Webhosting): 5–10 €/Monat × 60 Monate = 300–600 €
  • Wartung: minimal, oft nur bei Änderungswunsch

Gesamt nach 5 Jahren: 1.800–5.100 €

Ein Wort zur Vergleichbarkeit, bevor daraus ein Break-even wird: Auf der WordPress-Seite steckt fünf Jahre Wartung in der Summe, auf der Custom-Code-Seite nur Erstellung und Hosting. Wer eine individuell gebaute Seite über Jahre pflegt, Inhalte ändern will und einen Pflegebereich braucht, muss das dazurechnen. Ein allgemeiner Kipppunkt lässt sich aus diesen Spannen nicht ableiten. Solange die beiden Pakete nicht denselben Leistungsumfang abdecken, ist jede Aussage darüber, welcher Weg am Ende günstiger ist, eine Rechnung mit ungleichen Posten.

Sicherheit: Wo die echten Risiken liegen

WordPress hat ein strukturelles Sicherheitsproblem — nicht im Core, sondern im Ökosystem drumherum. Die Zahlen stammen aus dem State of WordPress Security 2026 von Patchstack — Datenjahr 2025, veröffentlicht im Februar 2026:

  • 2025 wurden laut Patchstack 11.334 neue Schwachstellen gemeldet, 91 % davon in Plugins — nur sechs im WordPress-Kern. Patchstack verkauft Sicherheitsprodukte, hat also ein Interesse an hohen Zahlen. Und es sind gemeldete Schwachstellen, keine erfolgreichen Angriffe
  • Aus derselben Auswertung ein Wert, der mehr sagt als jede Angriffsstatistik: 46 % der Schwachstellen hatten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch keinen Patch. Updates allein lösen das Problem also nicht

Das ist kein WordPress-spezifisches Problem — jedes System, das auf Drittanbieter-Erweiterungen aufbaut, hat das gleiche Risiko. Aber bei der schieren Anzahl an Plugins und der Aktualisierungs-Disziplin in vielen Betrieben summiert es sich.

Eine statische, handgeschriebene Site hat hier den simplen Vorteil, dass es kein offenes Admin-Backend gibt (kein /wp-admin), keine bekannten Datenbank-Strukturen und keine Drittanbieter-Updates, die irgendwann liegen bleiben. Sobald eigene Anwendungen mit Datenbank, Login und Bibliotheken dazukommen — wie bei meinem Ticketsystem — gilt das nicht mehr: Dann brauchst du eigene Sicherheitsupdates — ob es dabei um weniger Code geht, hängt davon ab, was gebaut wurde.

SEO: Was die neuen Regeln für Rankings bedeuten

Mit dem März-Update 2026 sind die Core Web Vitals von einer Empfehlung zu einem echten Ranking-Faktor geworden. Konkret: Wenn zwei Sites ähnlich gute Inhalte und Backlinks haben, gewinnt die schnellere im Ranking.

Für WordPress heißt das: Wer es ernst meint, braucht einen ordentlichen Hoster, ein leichtes Theme und funktionierendes Caching. Ob es dafür ein Premium-Plugin wie WP Rocket oder NitroPack sein muss, zeigt die Messung am eigenen Setup — eine allgemeine Pflicht dazu gibt es nicht. Für Custom Code heißt es: Die meisten dieser Optimierungen sind schon Teil der Erstellung, statt nachträglich draufgesattelt.

Wann lohnt sich welches System?

Hier wird's wichtig — und ehrlich. WordPress ist nicht schlecht. Custom Code ist nicht immer die Antwort.

WordPress passt, wenn…

  • du regelmäßig selbst Inhalte pflegen willst (mehrmals pro Woche neue Beiträge, Bücher, Veranstaltungen)
  • du ein großes Plugin-Ökosystem brauchst (Buchungssysteme, Mitgliederbereiche, Foren, LMS-Funktionen)
  • du jemanden im Team hast, der WordPress versteht und pflegt
  • deine Site eher informativ als conversion-getrieben ist

Custom Code passt, wenn…

  • deine Site Kunden gewinnen soll und Performance dabei zur Conversion-Frage wird
  • Inhalte sich selten ändern (typische KMU-Sites: Leistungen, Über-uns, Kontakt — ein-, zweimal im Jahr aktualisiert)
  • du über fünf bis zehn Jahre rechnest und Wartungskosten niedrig halten willst
  • du dich nicht um Updates, Plugin-Kompatibilität und Security-Patches kümmern willst

Der Mittelweg: Headless CMS

Wer das Beste aus beiden Welten will, schaut sich Headless-Setups an: WordPress oder ein anderes CMS (Strapi, Sanity, Directus) im Hintergrund für die Inhaltspflege, ein eigenständiges Frontend in Astro oder Next.js für die Auslieferung.

Vorteile: Editor für Redakteure, Performance auf Custom-Code-Niveau. Nachteile: Aufwand und Kosten liegen oft über 5.000 € in der Erstellung. Lohnt sich erst bei größeren Sites, die wirklich oft aktualisiert werden.

Fazit

WordPress bleibt die Nummer eins, aber das Wachstum ist vorbei. Entscheidend ist ohnehin etwas anderes: Googles Schwellenwerte stehen seit Jahren fest, und viele Standard-WordPress-Setups erreichen sie nicht ohne spürbaren Mehraufwand.

Custom Code ist 2026 nicht besser. Aber es löst bestimmte Probleme (Performance, Wartungsfreiheit, langfristige Kosten) strukturell — während WordPress sie nachträglich behandeln muss.

Die ehrliche Antwort auf „was nehme ich?“ ist deshalb: Es kommt darauf an, wie oft du Inhalte änderst, wie wichtig Performance für dein Geschäft ist, und wie viel du über fünf Jahre ausgeben willst. Wer das ehrlich beantworten kann, hat seine Entscheidung schon getroffen.

03

Reden wir über dein Projekt.

Wenn du gerade vor der Entscheidung stehst — Baukasten neu, WordPress migrieren oder von Grund auf neu? Schreib mir kurz, was du vorhast. Ein Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.

info@prompt-und-pixel.de
Instagram TikTok Facebook